Über den Künstler
Composition steht für eine Wendung im wechselvollen Schaffen von Francis Picabia. 1917 gründete er in Barcelona die Zeitschrift 391. Ihre Seiten wurden zum Experimentierfeld für jene Provokationen, die ihn mit Dada verbanden. Schon seine früheren Maschinenporträts hatten die Vorstellung infrage gestellt, ein Porträt brauche ein menschliches Gesicht. Bis Ende der 1930er-Jahre war er mehrfach zwischen Abstraktion und gegenständlicher Malerei gewechselt, ohne sich auf eine künstlerische Identität festzulegen. Composition macht diese rastlose Entwicklung sichtbar: Die Moderne erscheint weniger als fester Stil denn als Möglichkeit, immer wieder eine andere Richtung einzuschlagen.
Das Kunstwerk
Was geschieht, wenn ein Gemälde kein erkennbares Motiv bietet? Composition von 1939 fordert dazu auf, sich ohne den vertrauten Anhaltspunkt einer benannten Person oder eines Ortes auf das Bild einzulassen. Der Titel lässt die Deutung offen, statt eine Geschichte vorzugeben. Picabia hatte bereits jahrzehntelang ausgelotet, was ein Bild sein kann. Auch dieses Werk widersetzt sich Erwartungen. Es entstand an der Schwelle zu einem weiteren europäischen Krieg, doch allein daraus lässt sich keine politische Botschaft ableiten. Als Poster ermöglicht die Reproduktion diese Begegnung auch außerhalb der Galerie, ohne der Abstraktion eine Bedeutung vorzuschreiben.
Stil und Merkmale
Oben trifft ein gelber Bogen auf eine blaue Spitze, darunter windet sich ein rotes Band. Dünne, schleifenförmige Konturen durchziehen auf dem Ockergrund breitere Farbflächen. Zwischen den Kurven schwellen schwarze Formen an, die stellenweise spitz zulaufen. Nahe der Mitte liegt ein kleines dunkles Oval an einer gebrochen weißen Fläche. Weiter unten trennt eine weitere helle Partie Blau von Rot. Die fleckige Oberfläche wirkt unregelmäßig und abgerieben statt glänzend. In dieser abstrakten Komposition folgt der Blick einer Kurve, bis eine andere ihren Weg kreuzt.
In der Raumgestaltung
Stellen Sie sich ein Lesezimmer am späten Nachmittag vor: Licht streift einen Nussbaumschrank, darüber hängt dieses vertikale Poster in einem schmalen schwarzen Rahmen. Ein tabakbrauner Ledersessel greift den Ockergrund auf, während die roten Partien die zurückhaltenden Raumfarben unterbrechen. Lassen Sie ringsum genügend freie Wand, um die verschlungenen Formen vom Sessel aus verfolgen zu können. Zwischen zwei Kapiteln lädt das Bild zum genauen Hinsehen ein, statt nur den Hintergrund für Möbel zu bilden. Halten Sie die übrige Einrichtung zurückhaltend, damit die kleinen hellen Zwischenräume und die sich kreuzenden Linien auch aus der Entfernung erkennbar bleiben.
