Über den Künstler
Für Henri Matisse konnte ein Stück Stoff der Ausgangspunkt für ein Gemälde sein. Er wuchs in Bohain auf, einer Textilstadt im Norden Frankreichs, und sammelte später Stoffe und Kleidungsstücke, die in seiner Arbeit immer wieder auftauchten. Besonders rumänische Blusen mit ihren Stickereien faszinierten ihn. An ihnen erforschte er das Verhältnis zwischen menschlicher Figur und dekorativer Kunst. The Romanian Blouse zeigt, wie genau er Textilien betrachtete: Die Bluse ist hier kein bloßes Beiwerk, sondern trägt ebenso viel zum Ausdruck des Porträts bei wie das Gesicht. Auch im Kunstdruck bleibt diese Bedeutung der Kleidung erhalten.
Das Kunstwerk
Die rumänische Bluse war für Matisse mehr als ein Kostüm, das er abbilden wollte. Er beschäftigte sich in Nizza erneut mit diesem Motiv und malte das Bild 1940, während er intensiv an Darstellungen der menschlichen Figur arbeitete. Die Stickerei behandelte er nicht als ethnografisches Anschauungsstück. Vielmehr wurde eine regionale Textiltradition für ihn zum Ausgangspunkt moderner Malerei. Fotografien verschiedener Stadien der Leinwand belegen, wie oft er die Komposition überarbeitete, bevor die auf diesem Poster wiedergegebene Fassung entstand. So erzählt das Werk auch von einem langen Arbeitsprozess, in dem überliefertes Handwerk und Moderne aufeinandertrafen.
Stil und Merkmale
Zuerst fallen die weiten weißen Ärmel ins Auge. Sie wölben sich vor einem roten Grund, der die Figur dicht umgibt. Schwarze Striche verteilen sich über den Stoff; orangefarbene Gittermuster gliedern die Ärmel. Auf der Brust steigen zwei in Rot und Schwarz gestickte Zweige empor. Darunter liegen die Hände übereinander, knapp über dem tiefblauen Rock. Ihre schmalen Finger bilden einen Gegensatz zur großzügigen Form der Bluse. Der geneigte Kopf und die sparsam gezeichneten Gesichtszüge mildern die Wirkung der kräftigen Flächen. Am hellen unteren Rand steht die Signatur von Matisse in Blau. Sie gibt diesem vertikalen Poster unterhalb des Porträts eine deutliche visuelle Pause.
In der Raumgestaltung
Über einer niedrigen Anrichte aus Walnussholz im Esszimmer könnte der Kunstdruck hängen, dort, wo spätes Nachmittagslicht auf das Holz fällt und das Rot im Bild wärmer erscheinen lässt. Eine einzelne cremefarbene Keramikschale darunter nimmt die hellen Ärmel auf; die Stickerei liefert das Muster, ohne dass weitere Ornamente das Bild umgeben müssen. In einem schmalen schwarzen Rahmen bleibt das Porträt vom Tisch aus gut sichtbar. Die gefalteten Hände bilden beim Essen einen ruhigen Gegenpol zu den kräftigen Farben. Der Kunstdruck stellt im Raum eine Verbindung zur Moderne her, während seine satten Farben verhindern, dass die Einrichtung zu zurückhaltend wirkt.
